Familienfreundliche Personalpolitik: Handlungsfelder und deren Maßnahmen und Instrumente

Es gibt eine Vielzahl von Maßnahmen, die in einem Unternehmen eingesetzt werden können, um besser auf einzelne Lebensphasen der Arbeitnehmer einzugehen. Sie machen Arbeit familienfreundlicher. Nachfolgend sind die gängigen Maßnahmen und Instrumente aufgeführt. Eine Kategorisierung in mehrere Handlungsfelder sorgt hier für eine bessere Übersicht. Diese Maßnahmen und Instrumente werden meist unterschiedlich zusammengefasst, hier werden sie den acht Handlungsfeldern aus den „Informationen für Personalverantwortliche“ 2009 des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ zugeordnet. Die Liste entstand mit Unterstützung einer studentischen Gruppe der FH-Flensburg. Doppelungen kommen vor, da sich Instrumente nicht immer eindeutig nur einem Feld zuordnen lassen.

1. Handlungsfeld: Arbeitszeit

Die Arbeitszeit ist eines der wichtigsten Felder der lebensphasenorientierten Personalpolitik. Flexible Arbeitszeitmodelle weichen in Dauer und Verteilung von der Grundform ab. Werden die Arbeitszeiten veränderlich gestaltet, so gilt es, die Interessen der Arbeitnehmer und die des Arbeitgebers, der sich auch nach seinen Kunden richten muss, zusammenzuführen, damit alle Beteiligten Vorteile haben. Flexiblere Arbeitszeiten und Teilzeitangebote helfen, Beruf und Privatleben besser zu vereinbaren. Es können unterschiedliche Zeitmodelle im Unternehmen verankert werden.

Teilzeit

Bei Teilzeit ist die Arbeitszeit geringer als die betrieblich vereinbarte Regelarbeitszeit. Beschäftigte in Teilzeit arbeiten regelmäßig kürzer als ihre in Vollzeit arbeiteten Kollegen und müssen mit weniger Lohn zurechtkommen.

Vertrauensarbeitszeit

Das Unternehmen verabredet mit dem Beschäftigten, dass dieser in einem verabredeten Zeitraum eine Aufgabe eigenverantwortlich erledigt. Lage der Arbeitszeiten und Dauer sind Sache des Beschäftigten. Aber: Gefahr einer Entgrenzung von Arbeit, wenn kein Rahmen gesteckt wird.

Gleitzeit

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können in der Gleitzeit meist innerhalb eines vorgegebenen Rahmens die Lage und Dauer ihrer Arbeitszeit selbst bestimmen. Eine Kernzeit kann notwendige Anwesenheit gewährleisten.

Jahresarbeitszeit

Unternehmen können mit dem Modell der Jahresarbeitszeit auf einen unterschiedlichen Arbeitsanfall im Laufe eines Jahres reagieren. Die tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit kann also schwanken. Die Jahresarbeitszeit ist eine Form eines Langzeitkontos.

Sonderurlaub

Sonderurlaub ist unbezahlt. Haben Beschäftigte mit familiären Verpflichtungen die Möglichkeit einige Tage unbezahlten Sonderurlaub zu nehmen, müssen diese nicht ihren Jahresurlaub tageweise verbrauchen. Das erhält die Arbeitskraft. Geltende gesetzliche Bestimmungen sind zu beachten.

Flexible Pausenregelung

Eine flexible Pausenregelung erleichtert es Beschäftigten, familiären Notsituationen oder längerfristige private Verpflichtungen im Alltag stressfreier meistern zu können. Wichtig ist eine Abstimmung mit den Kollegen, um den Fortlauf der Arbeit sicher zu stellen. Das Mitbestimmungsrecht eines Betriebsrates ist zu beachten.

Sabbatical

Erwerbstätige steigen im Rahmen eines Sabbaticals (auch Sabbatjahr genannt) aus ihrem Arbeitsalltag aus. Zumeist für einen Monat bis zu einem Jahr. Die Auszeit kann ermöglicht werden durch längeren unbezahlten Urlaub, Langzeitkonten auf denen Überstunden und Urlaubstage angespart werden oder durch besondere Teilzeitmodelle.

Notfallregelungen

Bevor ein Notfall eintritt, zahlt es sich aus, dass der Arbeitnehmer im Vorfeld Regelungen trifft, so dass der Arbeitgeber im Falle eines Falles schnell reagieren kann, Beispiele: Eltern-Kind-Zimmer, Belegplätze in einer Kita, Person im Hintergrund, die kurzfristig eine Betreuung übernehmen kann.

Verlässliche Arbeitszeitvereinbarung

Geplante, feste und somit verlässliche Arbeitszeiten versetzen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die Lage, ihren Tagesablauf zu planen und Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Familienfreundliche Urlaubsplanung

Beschäftigte mit Kindern sind in ihrer Urlaubsplanung von den Zeiten der Schulferien abhängig und darauf angewiesen, genau in dieser Zeit in den Urlaub zu fahren. Bei der betrieblichen Urlaubsplanung steht der Arbeitgeber seinen Beschäftigten mit Kindern die Schulferien als Zeiten des Urlaubs zu, gegebenenfalls zu Lasten seiner kinderlosen Beschäftigten. Aber Vorsicht, dies kann das Betriebsklima arg belasten, wenn immer die gleichen Gruppen bevorzugt oder benachteiligt werden. Zudem sind die gesetzlichen Bestimmungen zu beachten.

Altersteilzeit

Ein Ausstiegsmodell. Beschäftige verkürzen ihre Arbeitszeit und gleiten in den Ruhestand. Meist genutzt wird heute das Blockmodell, es teilt sich in zwei gleich lange Phasen. In der 1. Phase bleibt die wöchentliche Arbeitszeit ungekürzt, in der 2. wird der oder die Beschäftige dann freigestellt.Damit Know-how nicht verlorengeht, erscheint aber das Kontinuitätsmodell sinnvoller.

2. Handlungsfeld: Arbeitsorganisation

Wenn Arbeit gut organisiert ist, Arbeitskraft effizient eingesetzt wird, spart dies Zeit und entlastet die Beschäftigten, was wiederum der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu Gute kommen kann. Gut organisierte Arbeit bedeutet nicht nur eine klare Strukturierung der Arbeitsabläufe sondern schließt auch begleitende Maßnahmen ein, beispielsweise Notfall- und Vertretungsregelungen.

Job-Sharing

Zwei oder mehr Arbeitnehmer teilen sich eine Stelle. Gute Absprache und ein vertrauensvolle Zusammenarbeit sind Voraussetzungen.

Teamarbeit

Wenn Arbeit in kleinen Teams erledigt werden kann, erlangen die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr Flexibilität im Alltag. Das Team klärt eigenverantwortlich, wer, welche Aufgaben zu welchem Zeitpunkt übernimmt.

Familienfreundliche Urlaubsplanung

Beschäftigte mit Kindern sind in ihrer Urlaubsplanung von den Zeiten der Schulferien abhängig und darauf angewiesen, genau in dieser Zeit in den Urlaub zu fahren. Bei der betrieblichen Urlaubsplanung steht der Arbeitgeber seinen Beschäftigten mit Kindern die Schulferien als Zeiten des Urlaubs zu, gegebenenfalls zu Lasten seiner kinderlosen Beschäftigten. Aber Vorsicht, dies kann das Betriebsklima arg belasten, wenn immer die gleichen Gruppen bevorzugt oder benachteiligt werden. Zudem sind die gesetzlichen Bestimmungen zu beachten.

Notfallregelungen

Bevor ein Notfall eintritt, zahlt es sich aus, dass der Arbeitnehmer im Vorfeld Regelungen trifft, so dass der Arbeitgeber im Falle eines Falles schnell reagieren kann, Beispiele: Eltern-Kind-Zimmer, Belegplätze in einer Kita, Person im Hintergrund, die kurzfristig eine Betreuung übernehmen kann.

3. Handlungsfeld: Arbeitsort

Die heutige Informations- und Kommunikationstechnologie macht es in einigen Fällen möglich, auch außerhalb des eigentlichen Betriebs zu arbeiten – zum Vorteil von Arbeitgeber als auch Arbeitnehmern. Dem Unternehmen bietet es Zeit- und Kostenersparnis und der Mitarbeiter erhält flexiblere Arbeitsformen, sodass er die Möglichkeit bekommt, familiären Bedürfnissen und berufliche Anforderungen gerecht zu werden. Ein Nachteil kann die Entgrenzung der Arbeit sein.

Telearbeit

Moderne Kommunikationstechnologie macht es möglich: Bei der alternierenden Telearbeit erfüllen Beschäftigte einen Teil Ihrer Arbeit von zu Hause aus, die reine Telearbeit bedeutet: Beschäftige arbeiten nur von zu Hause aus oder sind mobil. Ein Arbeitsplatz im eigentlichen Unternehmen besteht dann nicht mehr.

Home Office

Arbeiten von zu Hause, siehe Telearbeit

Essen aus Betriebskantine

Beschäftige bestellen für ihre Familie Essen aus der Kantine und nehmen es mit nach Hause. Beschäftigte sparen Zeit, was auch dem Unternehmen zu Gute kommt.

Kinderbetreuung bei betrieblichen Veranstaltungen

Das Unternehmen organisiert eine Kinderbetreuung, wenn der Arbeitnehmer aufgrund einer längeren dienstlichen Verpflichtung das Kind nicht wie gewohnt betreuen kann. Vorteil: Weiß der oder die Beschäftigte sein Kind gut aufgehoben, kann er oder sie sich besser auf die Arbeit konzentrieren.

Eltern-Kind-Zimmer

Der Arbeitgeber richtet für einen kurzfristigen Betreuungsbedarf ein Eltern-Kind-Zimmer ein, ein Arbeitszimmer, das mit Bürotechnik ausgestattet ist, aber auch Kinderbetreuung ermöglicht. Hierzu eignen sich beispielsweise: eine Spielecke, ein Tisch zum Malen oder Hausaufgaben machen, für kleine Kinder ein Bett und ein Wickeltisch. Notfälle, die immer entstehen können, werden so abgefedert.

4. Handlungsfeld: Beratung / Information / Kommunikation

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen wissen, dass ihr Unternehmen auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf setzt. Und sie müssen wissen, welche familienfreundlichen Maßnahmen ihr Arbeitgeber bietet. Verschiedene Maßnahmen und Instrumente sorgen für den nötigen Informationsfluss.

Intranet

Das Intranet des Unternehmens, das nur den Beschäftigten zur Verfügung steht, eignet sich hervorragend als Kommunikationsweg für familienfreundliche Maßnahmen und Angebote im Unternehmen.

Newsletter, Zeitschriften

Newsletter und Zeitschriften sind ebenfalls gut geeignet, um auf familienfreundliche Maßnahmen hinzuweisen.

Schwarzes Brett

Gut geeignet, um auf familienfreundliche Maßnahmen hinzuweisen und um zu diesem Thema den Austausch zwischen den Beschäftigten zu fördern.

Sozialberatung

Viele Institutionen bieten lokal und regional unterschiedlichste Formen der Unterstützung und Hilfen an. Die Sozialberatung gibt erste Tipps und stellt gegebenenfalls Kontakt zu Beratungsstellen her.

Unterstützung bei Pflegeverantwortung

Ein Pflegefall in der Familie kommt meist überraschend. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die neben der Arbeit zu Hause Pflegeaufgaben übernehmen müssen, geraten schnell an ihre Grenzen. Ein Unternehmen kann durch folgende Maßnahmen unterstützen: Bereitstellung von Informationen über Beratungsstellen, zur Pflegeversicherung oder über Betreuungsmöglichkeiten; finanzielle Unterstützung; flexible Arbeitszeiten, flexibler Arbeitsort, Gewährung von Sonderurlaub.

Ansprechperson zum Thema Pflege/Schwangerschaft etc.

Ansprechperson zum Thema Pflege/Schwangerschaft im Unternehmen besitzen eine Zusatzqualifikation, sie haben sich Know-how angeeignet geben Tipps im jeweiligen Gebiet und verweisen auf die passende Beratungsstelle.

Familienbeauftragte

Familienbeauftragte in Unternehmen kennen die Probleme, die auftreten können wenn Familie und Beruf vereinbart werden müssen. Sie geben Tipps, wie diese Probleme beseitigt oder reduziert werden können und sind vernetzt mit den Beratungsstellen in der Region.

5. Handlungsfeld: Unternehmenskultur / Führung

In einem familienbewusst geführten Unternehmen ist das Miteinander von Beruf und Familie eine Selbstverständlichkeit. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gehört zur Unternehmenskultur, zum Unternehmensleitbild, und wird gelebt auf allen Ebenen. Für sie engagiert sich die Unternehmensleitung und noch wichtiger – sie lebt diese vor. Zudem haben Mitarbeiter mit Familienpflichten dieselben Aufstiegs- und Entwicklungschancen wie Mitarbeiter ohne familiäre Verpflichtungen. Das Unternehmen schafft ein kollegiales Betriebsklima zwischen Mitarbeitern mit und ohne Familienpflichten.

Betriebsvereinbarung zur Vereinbarkeit

Betriebsvereinbarungen können beispielsweise der Flexibilisierung der Arbeitszeit dienen. Diese und andere Betriebsvereinbarungen schließen der Arbeitgeber und die Vertreterinnen und Vertreter der Belegschaft (Betriebs- oder Personalrat) gemeinsam. Betriebsvereinbarungen werden schriftlich niedergelegt, von beiden Seiten unterzeichnet und im Unternehmen veröffentlicht. Im Falle von Vereinbarung, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf betreffen, ist es sinnvoll, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Erfahrungen mit Kindererziehung und Beruf haben für die Ausgestaltung seiner solchen Vereinbarung zu gewinnen.

Weiterbildung auch für Teilzeitkräfte

Siehe Weiterbildung. Weiterbildung während der Elternzeit erhalten Qualifikationen und bauen diese aus, dabei sollten Teilzeitkräfte als ebenso wertvolle Arbeitskräfte angesehen werden wie Vollzeitkräfte und wie diese auch gefördert werden.

Familienfeste

Familienfeste oder Betriebsfeiern, bei denen Familienangehörige der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer herzlich willkommen sind, zeigen die Unternehmenskultur und unterstreichen den Stellenwert, den die Familie im Unternehmen hat.

Elternzeit für Väter

Siehe Elternzeit, Väter sollten genauso wie Mütter in Elternzeit gehen können, ohne dass dies sich negativ auf ihre beruflichen Aussichten auswirkt. Eine familienfreundliche Unternehmenskultur gewährleistet dies.

Unterstützung von Elterninitiativen

Siehe auch Engagement im Wohnumfeld - finanzielle, materielle oder personelle Unterstützung, damit beispielsweise ein Projekt zur Vereinbarkeit realisiert werden kann.

Förderung der Chancengleichheit

Frauen und Männer müssen im Unternehmen die gleiche Chancen und gleiche Möglichkeiten haben, so gibt es der Gesetzgeber mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz vor. Beispielsweise dürfen Kinder für Frauen kein Stolperstein im Berufsleben werden; dies gilt auch für Väter, die sich eine Auszeit für den Nachwuchs nehmen. Ungleichbehandlung sorgt für Frustration; Chancengleichheit zahlt sich für das Unternehmen aus. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind motivierter und die Arbeitskraft gut ausgebildeter Frauen bleibt dem Unternehmen erhalten. Befinden sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Elternzeit, sollten die Bindung zum Unternehmen nicht abreißen (Maßnahmen: Einladungen zu Betriebsfeiern, regelmäßige Gespräche, Weiterbildung). Auch die Teilnahme an Aktionstagen wie beispielsweise dem „Girls Day“ ist möglich, an dem Mädchen (noch) männerdominierte Berufe kennen lernen.

Akzeptanz von Familienkarrieren

Teil einer familienbewussten Unternehmenskultur. Wenn Angestellte aufgrund familiärer Verpflichtungen pausieren oder in Teilzeit arbeiten, so wirkt sich dies für diese Angestellten in einem familienbewussten Betrieb nicht als Nachteil aus.

Arbeit während der Elternzeit

Die Elternzeit gibt Arbeitnehmenden die Möglichkeit, sich um ihr Kind zu kümmern und zu arbeiten. Während der Elternzeit ist Arbeit in Teilzeit bis zu 30 Stunden möglich, Grundlage ist das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz.

Weiterbildung während der Elternzeit

Weiterbildung während der Elternzeit erhalten Qualifikationen und bauen diese aus und sie wird auch oft von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gewünscht. Dabei sind interne Fortbildungen im Unternehmen oder externe Fortbildungen möglich. Letztere sollten den Bedürfnissen der Arbeitnehmer angepasst sein, also nicht den ganzen Tag dauern, wenn dies nicht möglich ist, ist eine Sicherstellung der Kinderbetreuung sinnvoll.

Spenden und Sponsoring

Mit einer finanziellen Unterstützung von Elterninitiativen, Vereinen und allen Institutionen, die sich um die Vereinbarkeit kümmern, zeigen Unternehmen ihr soziales Engagement und unterstreichen die Wichtigkeit des Themas.

Auditierung / Zertifikate

Auditierungen und Zertifizierungen zeigen den Stand der Dinge im Betrieb und helfen, das Unternehmen familienbewusster zu machen. Im Hinblick auf einen Arbeitskräftemangel, können sie zudem dabei helfen, sich positiv von der Konkurrenz abzusetzen.

Engagement im Wohnumfeld

Finanzielle, materielle oder personelle Unterstützung im Umfeld der Firma oder eines Arbeitnehmers , um Elterninitiativen, Vereine und Institutionen, die sich um die Vereinbarkeit kümmern, unter die Arme zu greifen, wenn Hilfe benötigt wird.

Regionale Kooperationen

Regionale Kooperationen helfen Maßnahmen zu verwirklichen, die ein Unternehmen allein nicht stemmen kann und sie dienen dem Austausch von Informationen und praktischen Erfahrungen.

Werbung

In Zeiten, in denen der Arbeitskräftebedarf größer ist als das Arbeitskräfteangebot konkurrieren Unternehmen um die Arbeitskräfte. Mit einer lebensphasenorientierte Personalpolitik, die gelebt und mit der geworben wird, setzt sich das Unternehmen von der Konkurrenz ab.

6. Handlungsfeld Personalentwicklung

Firmeninhaber, Geschäftsführende oder Personaler haben die Möglichkeit, Maßnahmen und Instrumente anzuwenden, die ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Rückkehr nach einer längeren Pause den Wiedereinstieg erleichtern oder sie auf dem Laufenden halten während die Tätigkeit ruht. Sie können gezielt fördern, und mit Fragebögen herausfinden, wo Hemmnisse verborgen liegen, die die Arbeit weniger effizient machen. Dies senkt die Fluktuation, Kompetenzen bleiben erhalten.

Personalplanung

Um wirtschaften zu können, braucht ein Unternehmen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Fachkenntnissen. Die Personalplanung stellt sicher, dass die benötigten Mitarbeiter in Zahl und Qualifikation auch vorhanden sind. Eine gute Personalplanung zeigt, wo im Unternehmen Engpässe entstehen können. Eine funktionierende Personalplanung ist Voraussetzung für eine lebensphasenorientierte Personalpolitik. Nur ein Unternehmen, das weiß, welche Arbeitnehmer auf welchen Positionen beschäftigt sind, wo es Veränderungen im Personal oder auch im Personalbedarf geben könnte, kann planen und zügig auf Veränderungen reagieren.

Mitarbeitergespräche

In einem Mitarbeitergespräch tauscht sich eine Führungsperson mit dem geführten Mitarbeiter aus. Meist spricht die Führungsperson Stärken und Schwächen an. Platz sollte aber auch sein für berufliche Perspektiven des Mitarbeiters. Aber: Beruf ist Beruf und privat ist privat, doch ist ein Mitarbeiter zu Hause Notsituationen ausgesetzt, sollte die Führungsperson den Mitarbeiter ermutigen, darüber zu sprechen um einer Lösung nahezukommen.

Krankenrückgespräche

Das Krankenrückkehrgespräch ist ein umstrittenes personalpolitisches Instrument. Das zumeist in Teilen standardisierte Gespräch führen Vorgesetzte mit Mitarbeitern, die nach Krankheit wieder ihre Arbeit im Betrieb aufnehmen. Es dient dem Unternehmen dazu, die Krankheitsgründe aufzuklären. Umstritten ist es deshalb, weil es in zweierlei Absicht eingesetzt werden kann: Hilfestellung und Fürsorge aber auch Kontrolle und Ausüben von Druck. So stößt es oftmals bei Arbeitnehmern auf Skepsis und sollte deshalb mit Fingerspitzengefühl, und nur mit einer fürsorglichen Absicht eingesetzt werden. Das Krankenrückkehrgespräch unterliegt der Mitbestimmung des Betriebsrats.

Rückkehrgespräch nach Elternzeit

Zur Abstimmung des Wiedereinstiegs. Ziel des Gesprächs ist ein Arbeitsmodell zu entwickeln, mit dem beide Seiten umgehen können. Voraussetzung für den Wiedereinstieg ist eine gesicherte Kinderbetreuung. Im Rückkehrgespräch sollte zur Sprache kommen: Lage und Länge der Arbeitszeit, evt. erforderliche Qualifizierungsmaßnahmen, evt. neuer Aufgabenbereich, Möglichkeit der Telearbeit

Vorbildfunktion der Führungskraft

Wenn Fach- und Führungskräfte selbst die eigenen familienbewussten Angebote nutzen, kann dies entscheidend dazu beitragen, dass die Instrumente im Unternehmen schneller und besser angenommen werden.

Belegschaftsbefragungen

Belegschaftsbefragungen geben Auskunft darüber, wo im Betrieb der Schuh drückt. Anonyme Befragungen geben dabei mehr ehrliche Antworten. Beschäftigte mit Kindern oder mit zu pflegenden Familienmitgliedern können bei Befragungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf ihre Situation schildern und Veränderungen vorschlagen, dort wo etwas zu verbessern ist. Zu beachten sind bei Belegschaftsbefragungen der Datenschutz sowie das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates. Die Befragung kann die Personalabteilung, ein externes Beratungsinstitut oder evt. auch eine wirtschaftswissenschaftlich orientierte Hochschule in der Region durchführen.

Frauenförderung

In der betrieblichen Frauenförderung fördert das Unternehmen gezielt Frauen, um den Anteil an Frauen in Führungspositionen im Unternehmen zu erhöhen, da Frauen hier oft unterdurchschnittlich wenig vertreten sind – was nicht gerecht ist und fürs Unternehmen wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen kann. Mittel zur gezielten Frauenförderung können Quoten und Mentoringprogramme sein. Zudem ist es wichtig, den Betrieb durch gezielte Maßnahmen familienfreundlich zu gestalten. Flexible Arbeitszeiten, Telearbeitsplätze, Betreuungsangebote und Termine tagsüber und nicht in den Abendstunden helfen Frauen (und Männern) die sich für Karriere und Familie entscheiden. Die betriebliche Frauenförderung ist Teil der Unternehmenskultur.

Mentoring

Beim Mentoring gibt eine  erfahrene Person (Mentor) ihr Fachwissen oder ihren Erfahrungsschatz an eine noch unerfahrenere Person weiter. Mentoren können zum einen Frauen und Männer beim Wiedereinstieg nach Schwangerschaft/Elternzeit/längerer Abwesenheit den Einstieg erleichtern, zum anderen die Karriere von Frauen fördern, da innerbetriebliche Barrieren sie oft noch hindern, in Führungspositionen aufzusteigen.

Wichtig ist, vor Beginn des Mentoring-Programms die Ziele, Aufgaben und Vorgehen zu besprechen und aufzuschreiben.

7. Handlungsfeld Entgeltbestandteile & Leistungen

Unternehmen können Beschäftigte mit Familie finanziell unterstützen, beispielsweise durch Zuschüsse zur Kinderbetreuung.

Zuschüsse zur Kinderbetreuung

Unternehmen haben die Möglichkeit ihren Arbeitnehmern Zuschüsse zur Kinderbetreuung zu gewähren. Ein solcher Zuschuss ist unter gewissen Voraussetzungen steuer- und sozialversicherungsfrei.

Die Voraussetzungen lauten:

Nur Kinder im nicht schulpflichtigen Alter

Zuschuss wird zusätzlich zum Arbeitslohn gewährt

Der Arbeitnehmer weißt eine zweckgebundenen Verwendung nach

Finanzielle Hilfen in Notlagen

Familie, Kinder und auch die Pflege von Verwandten kann einen Arbeitnehmer vor finanzielle Herausforderungen stellen. Ein Darlehen des Unternehmens kann helfen, finanzielle Notlagen abzumildern.

Betriebliche Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge ist eine Entgeltumwandlung. Der Arbeitgeber wandelt einen Teil des Arbeitslohns um in einen Beitrag zur Betriebsrente. Der Arbeitgeber verzichtet auf einen Teil seines Lohns, weil aber der Arbeitgeber das Geld meist direkt aus dem Bruttogehalt überweist, hat das für den Arbeitnehmer steuerliche Vorteile.

8. Service für Familien

Unternehmen können nicht nur finanziell unterstützen, sie können sich, wenn es um Kinder und um die Pflege von Angehörigen geht, für ihre Arbeitnehmer auch direkt engagieren, beispielsweise zu Betreuungsangeboten beraten oder eine betriebseigenen Kinderbetreuung organisieren - was dann eher für mittlere Unternehmen in Frage kommt. Es müssen aber nicht immer die ganz großen Lösungen sein, die zu einer Entlastung führen, zudem ist ein Zusammenschluss verschiedener Unternehmen denkbar, um sich die Kosten zu teilen. Unternehmen reduzieren so die Fehlzeiten aufgrund familiärer Belange.

Ferienbetreuung

Schulferien sind meist länger als der Urlaub, der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern  zur Verfügung steht. Und auch längerfristige Schließungen von Kindergärten führen zu Betreuungsproblemen. Um Beschäftige zu entlasten, können Unternehmen eine Ferienbetreuung anbieten. Dies kann auf verschiedene Weisen passieren: Das Unternehmen kann ein Informationsangebot über verschiedene Betreuungsmöglichkeiten zusammenstellen, oder auf vorhandenes Informationsmaterial Dritter hinweisen. Es kann Plätze bei externen Anbietern vermitteln. Ansprechpartner können sein: Jugendämter, Jugendverbänden und –zentren, Kirchen, Wohlfahrtsverbänden Bei einer höheren Zahl von Beschäftigten mit Kindern ist ein eigenes Ferienbetreuungsprogramm denkbar.

Kita in Kooperation (Belegplätze)

Für kleine und mittlere Unternehmen kommt aufgrund der kleineren Belegschaften ein betriebseigener Kindergarten nicht in Frage. Belegplätze in Kitas - in kommunaler oder freier Trägerschaft - sind eine Alternative. Durch den Erwerb von Belegplätzen reserviert das Unternehmen eine gewünschte Zahl von Plätzen für die Kinder seiner Beschäftigten. Die Rechte und Pflichten beider Seiten sollten vorher vertraglich festgelegt werden. Sollte sich die Reservierung von Belegplätzen für ein Unternehmen allein nicht lohnen, können sich mehrere Firmen auch zusammentun.

Betriebseigene Kinderbetreuung

Für große Unternehmen eine Maßnahme, um Fachkräfte an sich zu binden. Die Kinder der Beschäftigten werden in der eigenen Betriebkita betreut. Die Schaffung einer firmeneigenen Kinderbetreuung im Hinblick trägt zum guten Image des Unternehmens bei. Sie ist aber aufwändig, langwierig und mit hohen Investitionen verbunden.

Haushaltsservice

Sowohl der Arbeit als auch den Kinder und/oder einer zu pflegenden Person gerecht zu werden stellt Arbeitnehmer vor große Herausforderungen. Ein Haushaltsservice schafft Erleichterung, etwa ein Wasch- und Bügelservice, Essen aus der Kantine oder auch ein Reinigungsservice. Der Service kann durch eigenes Personal oder von einem Dienstleister durchgeführt werden.

Tage der offenen Tür

An Tagen der offenen Tür präsentiert sich das Unternehmen der Öffentlichkeit - und potentiellen neuen Arbeitnehmern. Sie bieten die Möglichkeit zu zeigen, dass das Unternehmen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig nimmt und mit welchen Maßnahmen es Familienbewusstheit umsetzt.

⇒ siehe auch:

  • Familienfreundliche Maßnahmen im Betrieb. Eine Handreichung für Unternehmen, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2001
  • Informationen für Personalverantwortliche - Familienfreundliche Maßnahmen im Unternehmen, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2007
  • Familienfreundliche Maßnahmen im Handwerk. Potenziale, Kosten-Nutzen-Relationen, Best Practices, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2008
  • Familienorientierte Personalpolitik – Checkheft für kleine und mittlere Unternehmen, DIHK – Deutscher Industrie- und Handelskammertag, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, berufundfamilie gGmbH 2006